Nvidia Earth‑2: Wie offene KI-Wettermodelle Klima- und Risiko-Prognosen für Unternehmen neu definieren

26.01.2026

Nvidia hat am 26. Januar 2026 Earth‑2 mit neuen offenen KI-Wettermodellen vorgestellt. Die Plattform bringt hochauflösende Wetter- und Klima-Simulationen ohne eigenen Supercomputer in den Mainstream – von 15‑Tage-Prognosen bis zu lokalen Extremwetter- und Downscaling-Szenarien. Der Artikel erklärt, was technisch neu ist, wie sich Earth‑2 von klassischen Vorhersagesystemen und Konkurrenzangeboten unterscheidet und welche konkreten Implikationen dies für Versicherer, Energieversorger, Industrie, Logistik und den öffentlichen Sektor hat.

Nvidia Earth‑2: Wie offene KI-Wettermodelle Klima- und Risiko-Prognosen für Unternehmen neu definieren

Nvidia hat am 26. Januar 2026 seine Earth‑2-Plattform mit einer neuen Familie offener KI-Wettermodelle und zugehöriger Tools vorgestellt. Ziel ist es, präzise, hochauflösende Wetter- und Klima-Prognosen ohne eigenen Supercomputer nutzbar zu machen – für Behörden, Versicherungen, Energieunternehmen, Finanzdienstleister und Industrie gleichermaßen.

Der Schritt markiert einen Wendepunkt: Statt physikbasierte Modelle ausschließlich in spezialisierten Rechenzentren zu betreiben, werden nun transformerbasierte KI-Modelle als offen zugängliche Bausteine bereitgestellt, die sich in bestehende Risiko-, Planungs- und Handelssysteme integrieren lassen. Für CIOs, CDOs und Fachbereiche im Risiko- und Asset-Management entsteht damit ein neuer, vergleichsweise niedrigschwelliger Zugang zu Digital-Twin-Szenarien der Erde.


Kontext: Was Nvidia mit Earth‑2 konkret angekündigt hat


Neue offene Modelle innerhalb der Earth‑2-Familie

Auf der Jahreskonferenz der American Meteorological Society hat Nvidia mehrere neue Modelle und Werkzeuge innerhalb der Earth‑2-Suite präsentiert:

  • Earth‑2 Medium Range (Atlas-Architektur): Für globale mittelfristige Vorhersagen bis zu ca. 15 Tagen, mit Fokus auf großskalige Wettermuster und deren Unsicherheiten.

  • Earth‑2 Nowcasting (StormScope-Engine): Für kurzfristige, hochfrequente Prognosen und lokale Sturm- bzw. Extremwetterwarnungen im Minuten- bis Stundenbereich.

  • Earth‑2 Global Data Assimilation (HealDA): Ein Modell zur Assimilation globaler Beobachtungsdaten (Satelliten, Bodenstationen, Radar etc.) zur Initialisierung der KI-Vorhersagen.

  • Bereits etablierte Bausteine wie CorrDiff (generatives Downscaling/Superauflösung) und FourCastNet3 bleiben Teil des Stacks und werden mit den neuen Modellen integriert.


Die neuen Modelle werden über Earth2Studio, Hugging Face und GitHub zugänglich gemacht und bilden laut Nvidia den „ersten vollständig offenen, beschleunigten Software-Stack für KI-Wetteranwendungen". Damit können Forschungsteams, Start-ups und Unternehmen ohne eigene Supercomputer auf dieselbe Modellfamilie zugreifen wie Nvidia-Partner aus Energie, Versicherungen und öffentlichem Sektor.


Technische Besonderheiten: Von LLM-Architekturen zur Wetterprognose

Earth‑2 überträgt zentrale Prinzipien aus der Welt großer Sprachmodelle auf die Meteorologie:

  • Transformer-Architektur für räumlich-zeitliche Mustererkennung im 3D-Atmosphärenfeld.

  • Generative Diffusionsmodelle (z. B. CorrDiff) für Downscaling und Superauflösung: aus groben Gitterdaten (etwa 25–50 km) werden hochaufgelöste Felder im Kilometermaßstab erzeugt.

  • End-to-End-beschleunigte Pipelines: Von der Datenassimilation über die Vorhersage bis zum Downscaling läuft alles auf GPU-Clustern und kann laut Nvidia um Größenordnungen schneller und energieeffizienter sein als klassische numerische Modelle.


Nvidia berichtet von:

  • bis zu 1.000‑fach schnelleren Inferenzzeiten gegenüber physikbasierten Referenzmodellen,

  • deutlich geringeren Betriebskosten, da weniger Rechenzeit und Energie benötigt werden,

  • vergleichbarer oder besserer Prognosegüte in zahlreichen Metriken – insbesondere bei mittelfristigen globalen Vorhersagen und extremen Ereignissen.


Parallel positioniert Nvidia Earth‑2 explizit im Wettbewerb zu anderen KI-Wetterlösungen wie Googles GenCast/WeatherNext und akademischen Modellen (z. B. YanTian/Searth Transformer). Erste Benchmarks deuten darauf hin, dass Earth‑2 Medium Range in mehr als 70 Variablen besser abschneidet als Googles GenCast – ein Signal an den Markt, dass KI-Wetterprognose zu einem strategischen Wettbewerbsfeld großer Tech-Anbieter wird.


Zugang und frühe Anwender

Die neuen Earth‑2-Modelle stehen über mehrere Kanäle zur Verfügung:

  • Earth2Studio (Python-Paket): Standardisierte Schnittstelle zu Modellen, Datenquellen (ERA5, GFS, ECMWF u. a.) und Workflows für Forschung und Entwicklung.

  • Hugging Face & GitHub: Offene Modelle und Beispiel-Pipelines für Entwickler und Start-ups.

  • Nvidia-Cloud und Partner-Rechenzentren: Für skalierte, produktive Workloads.


Erste Organisationen setzen Earth‑2 bereits ein oder evaluieren die Modelle:

  • Energiebranche: u. a. TotalEnergies, Eni, GCL, Southwest Power Pool – für Erzeugungsprognosen (Wind, Solar, Wasserkraft), Lastprognosen und Handelsstrategien.

  • Versicherungen und Finanzdienstleister: u. a. S&P Global Energy, AXA – für Klima- und Katastrophenrisikomodellierung, Stresstests und Portfoliosteuerung.

  • Meteorologische Dienste: Die Israel Meteorological Service meldet z. B. bis zu 90 % weniger Rechenzeit bei der Nutzung von CorrDiff gegenüber klassischen Downscaling-Ansätzen.


Detaillierte Analyse: Auswirkungen, Risiken und Chancen


1. Paradigmenwechsel gegenüber klassischen numerischen Wettermodellen

Traditionelle Wetterdienste stützen sich auf numerische Wettervorhersagemodelle (NWP), die physikalische Gleichungen der Atmosphäre lösen und dafür große Supercomputer erfordern. Earth‑2 verschiebt die Rechenarbeit in vortrainierte KI-Modelle, die zur Laufzeit lediglich wenige Matrixoperationen benötigen.

Konsequenzen:

  • Zeitgewinn: Statt mehrere Stunden HPC-Rechenzeit können Vorhersagen im Minutenbereich oder schneller generiert werden – inklusive Ensembles (Mehrfachläufen zur Quantifizierung von Unsicherheit).

  • Kostenverschiebung: Von CAPEX (eigene Supercomputer, Langfristverträge mit HPC-Zentren) zu OPEX (GPU-Cloud-Nutzung). Für viele Unternehmen ist dies besser skalierbar und planbarer.

  • Demokratisierung: Auch mittlere Unternehmen oder Städte können hochauflösende Szenarien berechnen, die bisher nur nationalen Wetterdiensten offenstanden.


Gleichzeitig bleiben klassische Modelle relevant – insbesondere als Referenz und Datenquelle für das Training. In der Praxis ist absehbar, dass hybride Ansätze dominieren werden: numerische Modelle liefern „Ground Truth" und Randbedingungen, KI-Modelle übernehmen Beschleunigung, Downscaling und Szenarienvielfalt.


2. Neue Genauigkeit und Auflösung für Risiko- und Asset-Modelle

Für viele Branchen war bisher weniger die globale Prognosequalität das Problem, sondern die räumliche und zeitliche Auflösung am jeweiligen Standort:

  • Wie stark ist der Regen in genau diesem Talabschnitt?

  • Welche Böengeschwindigkeiten treffen auf diesen Windpark?

  • Wie verändert eine Hitzewelle die Temperatur und Luftfeuchte in diesem spezifischen Stadtviertel?


Mit CorrDiff und ähnlichen Modellen verspricht Earth‑2:

  • Kilometer- oder Sub-Kilometer-Auflösung bei Temperatur, Wind, Niederschlag etc.

  • Gleichzeitige Bias-Korrektur gegenüber historischen Beobachtungen (z. B. ERA5).

  • Synthese zusätzlicher Variablen (z. B. Windböen, Starkniederschlag, Indizes für Waldbrand- oder Hitzestress), die für Risikomodelle direkt nutzbar sind.


Für Unternehmen bedeutet das: Risiko- und Asset-Modelle lassen sich deutlich granularer und ortsspezifischer kalibrieren, ohne dass jede Organisation eigene Klima-Downscaling-Forschung betreiben muss.


3. Wettbewerb und Lock-in-Risiken

Mit Earth‑2, Googles WeatherNext/GenCast und spezialisierten Anbietern (Tomorrow.io, start-up-getriebene Plattformen) entsteht ein dynamischer Markt. Das hat Vor- und Nachteile:

Chancen:

  • Mehr Innovation, bessere Modelle, häufigere Updates.

  • Offene Bereitstellung über GitHub/Hugging Face reduziert Einstiegshürden, erhöht Transparenz und erleichtert Audits.


Risiken:

  • Plattform-Lock-in: Enge Integration in Nvidia-Stacks (CUDA, GPU-Cloud, Earth2Studio) kann zu Abhängigkeiten führen – gerade, wenn interne Workflows stark darauf zugeschnitten werden.

  • Modell-Transparenz: Trotz Open Source bleiben Trainingsdaten, Feinabstimmungen und Betriebsparameter teils proprietär. Für regulierte Branchen (Finanzdienstleistung, kritische Infrastrukturen) ist erklärbare KI ein Muss.

  • Versionierung & Reproduzierbarkeit: Häufige Modellupdates können dazu führen, dass Risikoanalysen schwer reproduzierbar sind, wenn Versionsmanagement und Governance fehlen.


4. Governance-, Compliance- und Haftungsfragen

Wenn kritische Entscheidungen – etwa zur Evakuierung von Regionen, Schließung von Anlagen oder Milliardenpositionen im Energiehandel – auf KI-Prognosen beruhen, entstehen neue Anforderungen:

  • Modellvalidierung: Unternehmen müssen Earth‑2-Ausgaben gegen alternative Quellen (z. B. nationale Wetterdienste, andere KI-Modelle) benchmarken.

  • Dokumentation & Audit-Trail: Für Aufsichtsbehörden und interne Revision ist nachvollziehbar zu dokumentieren, welche Modellversion mit welchen Parametern verwendet wurde.

  • Haftungsfragen: Wer trägt Verantwortung, wenn auf Basis von Earth‑2-Prognosen falsche Entscheidungen getroffen werden? Interne Policies und Verträge mit Daten-/Modellanbietern müssen das ausdrücklich adressieren.


Praxisbeispiele und reale Implikationen


Beispiel 1: Energieversorger und Händler

Ein europäischer Energieversorger mit großen Wind- und Solarportfolios steht vor drei Herausforderungen:

  1. Kurzfristige Erzeugungsprognosen (Day-Ahead, Intraday),

  2. Mittelfristige Last- und Preisprognosen (bis 15 Tage),

  3. Langfristige Klimarisiko-Analysen für neue Standorte.


Mit Earth‑2 kann der Versorger:

  • Earth‑2 Medium Range nutzen, um 15‑Tage-Ensembles für Windgeschwindigkeit, Temperatur und Bewölkung zu generieren und Handelspositionen entsprechend abzusichern.

  • Nowcasting einsetzen, um lokale Starkwindereignisse oder Bewölkungsänderungen im Minuten- bis Stundenbereich zu erfassen und Fahrpläne in nahezu Echtzeit anzupassen.

  • Mit CorrDiff aus groben Klimaprojektionen (CMIP6) hochaufgelöste Langzeitszenarien ableiten, um Standorte hinsichtlich Erzeugungsprofil, Dürrerisiko oder Überflutungsgefahr zu bewerten.


Beispiel 2: Rückversicherer und Katastrophenmodellierung

Ein globaler Rückversicherer muss die Exponierung gegenüber Stürmen, Überflutungen und Hitzewellen in verschiedenen Regionen bewerten. Bisher stützt er sich auf historische Eventkataloge und proprietäre Cat-Modelle.

Mit Earth‑2 lassen sich:

  • synthetische Eventkataloge generieren (z. B. Tausende Varianten eines Extremniederschlagsereignisses), um die Tail-Risiken in verschiedenen Märkten besser zu quantifizieren.

  • Szenarioanalysen unter verschiedenen Klimapfaden (z. B. 1,5 °C vs. 3 °C Erwärmung) mit hochaufgelöstem Downscaling erstellen.

  • Portfolio-spezifische Hazard-Felder (Windböen, Flusspegel, Hitzebelastung) auf Kilometer- oder Gebäudeebene ableiten, um Pricing- und Underwriting-Entscheidungen zu verbessern.


Beispiel 3: Industrie & Logistik / Lieferkettenrisiko

Ein globaler Hersteller mit Just-in-Time-Lieferketten ist anfällig für wetterbedingte Unterbrechungen (Häfen, Bahn, Straßen, Flughäfen).

Mit Earth‑2 kann das Unternehmen:

  • Wetterbedingte Störungen entlang der Lieferkette (z. B. Stürme an Hafenstandorten, Überschwemmungsgefahr auf Schlüsselkorridoren) 10–15 Tage im Voraus probabilistisch einschätzen.

  • Alternativrouten und Sicherheitsbestände dynamisch planen, wenn die Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter Extremereignisse steigt.

  • Klimarobustheit neuer Standorte anhand lokal heruntergerechneter Klimaprojektionen bewerten (z. B. für Lager- und Produktionsstandorte in Überflutungs- oder Hitzeregionen).


Beispiel 4: Öffentlicher Sektor und Katastrophenschutz

Städte, Regionen und nationale Katastrophenschutzbehörden können Earth‑2 nutzen, um:

  • frühzeitigere und präzisere Warnungen vor Starkregen, Stürmen oder Hitzewellen zu generieren.

  • Risiko-Hotspots auf Quartiersebene zu identifizieren (z. B. urbane Hitzeinseln, Überflutungsflächen) und bauliche bzw. infrastrukturelle Maßnahmen zu planen.

  • Resilienzpläne (z. B. Evakuierungsrouten, Notstromreserven, Kühlräume) datenbasiert zu optimieren.


Für viele öffentliche Stellen ist entscheidend, dass die Modelle offen zugänglich und auditierbar sind – ein Punkt, den Nvidia mit der Öffnung des Stacks aufgreift.


Business-Relevanz: Was Unternehmen jetzt konkret tun sollten


1. Strategische Einordnung im Daten- und KI-Portfolio

  • CIOs/CDOs sollten Earth‑2 als Baustein im bestehenden Daten-Ökosystem sehen, nicht als Ersatz für alle bisherigen Wetterdatenlieferanten.

  • Eine Gap-Analyse empfiehlt sich: Wo reichen heutige Prognosen nicht aus (Granularität, Vorlaufzeit, Unsicherheit), und welche Earth‑2-Komponenten adressieren diese Lücken?


2. Pilotprojekte mit klaren Business-KPIs aufsetzen

  • Start mit fokussierten Use Cases: z. B. Day-Ahead-Prognose für einen Windpark, Starkniederschlagsrisiko für ein Logistikhub oder Hitzestress-Indikatoren für eine Stadt.

  • KPIs definieren: Prognosefehler (MAE/RMSE), wirtschaftlicher Mehrwert (z. B. vermiedene Ausfallkosten, optimierte Handelsmargen), Rechenzeit und -kosten.

  • Parallel Vergleich mit bestehenden Datenquellen (z. B. nationaler Wetterdienst, etablierte Cat-Modelle), um Mehrwert und Limitierungen zu quantifizieren.


3. Technische Integration und Architekturanpassung planen

  • Datenarchitektur prüfen: Können große 3D-Felder (NetCDF, Zarr etc.) effizient ingestiert, gespeichert und verarbeitet werden?

  • Schnittstellen definieren: Wie fließen Earth‑2-Outputs in bestehende Systeme ein – z. B. Handelssysteme, Optimierer, ERP, GIS-Plattformen, Risiko-Engines?

  • Cloud-Strategie: Entscheidung zwischen On-Prem-GPUs, Hyperscalern und spezialisierten Nvidia-Partnern.


4. Governance, Risiko und Compliance früh mitdenken

  • Modellrisiko-Management etablieren: Dokumentation von Modellversionen, Trainingsdatenquellen (soweit bekannt), Parametereinstellungen und Validierungsergebnissen.

  • Rollen und Verantwortlichkeiten definieren: Wer gibt Modellupdates frei? Wer überwacht Drift und Performance?

  • Regulatorische Anforderungen berücksichtigen: Insbesondere für Finanzdienstleister (z. B. Klima-Stresstests, Offenlegungspflichten) und Betreiber kritischer Infrastrukturen.


5. Kompetenzen aufbauen und Partnerschaften nutzen

  • Interne Kompetenzzentren für Klima- und Wetterdaten aufbauen (Data Science, Meteorologie, Fachbereiche), um externe Anbieter fundiert evaluieren zu können.

  • Kooperationen mit universitären Partnern, Start-ups oder spezialisierten Dienstleistern eingehen, die bereits Erfahrung mit Earth‑2 und ähnlichen Modellen haben.


Fazit: Earth‑2 als Katalysator für datengestützte Klima- und Risiko-Entscheidungen

Nvidia Earth‑2 markiert mehr als nur ein weiteres KI-Modell: Es ist der Versuch, Wetter- und Klimasimulation als allgemein verfügbare, hochaufgelöste Infrastruktur für Wirtschaft und Verwaltung zu etablieren. In Verbindung mit offenen Modellen, beschleunigten Pipelines und ersten Großkunden entsteht ein neues Ökosystem, das klassische Prognose- und Risikoansätze in vielen Branchen unter Druck setzen wird.

Für Entscheidungsträger bedeutet das: Wer Wetter und Klima als kritische Inputgröße für Geschäftsmodelle begreift, sollte Earth‑2 nicht als entfernte Forschungsinitiative sehen, sondern als kurzfristig nutzbaren Technologiebaustein – mit messbaren Effekten auf Risiko, Kosten und Resilienz.

Kernpunkte für die Praxis:

  • Earth‑2 bringt offene, KI-basierte Wettermodelle in den Mainstream und macht hochauflösende Prognosen ohne eigene Supercomputer nutzbar.

  • Neue Modelle wie Medium Range, Nowcasting und HealDA decken die gesamte Kette von Datenassimilation über Vorhersage bis zum Downscaling ab.

  • Unternehmen in Energie, Versicherung, Logistik und öffentlichen Diensten können ihre Risiko- und Planungsmodelle deutlich präziser und ortsspezifischer gestalten.

  • Governance, Modellrisiko-Management und Lock-in-Prävention sind zentrale Aufgaben, um Abhängigkeiten und Fehlanreize zu vermeiden.

  • Kurzfristig lohnen sich fokussierte Pilotprojekte mit klaren KPIs, um Mehrwert und Grenzen der neuen Modelle im eigenen Kontext empirisch zu belegen.

  • Langfristig wird Earth‑2 Teil eines breiteren Klima- und Wetterdaten-Ökosystems sein, in dem sich offene KI-Modelle, klassische Meteorologie und branchenspezifische Anwendungen verbinden.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)


Was ist Nvidia Earth‑2 und wofür können Unternehmen die Plattform nutzen?

Nvidia Earth‑2 ist eine KI-gestützte Wetter- und Klima-Plattform, die hochauflösende Prognosen ohne eigenen Supercomputer ermöglicht. Unternehmen aus Energie, Versicherung, Industrie, Logistik und öffentlichem Sektor können sie für Risikoanalysen, Asset-Planung, Handel und Katastrophenschutz einsetzen.


Wie funktionieren die offenen KI-Wettermodelle von Earth‑2 technisch?

Earth‑2 nutzt Transformer-Architekturen und generative Diffusionsmodelle, um räumlich-zeitliche Muster in der Atmosphäre zu erkennen und grobe Wetterdaten hochaufgelöst herunterzurechnen. Die gesamte Pipeline von Datenassimilation über Vorhersage bis zum Downscaling läuft GPU-beschleunigt und liefert Vorhersagen bis zu 1.000‑mal schneller als klassische numerische Modelle.


Welche Vorteile bietet Earth‑2 gegenüber klassischen numerischen Wettermodellen?

Im Vergleich zu traditionellen NWP-Modellen reduziert Earth‑2 die Rechenzeit drastisch und senkt die Betriebskosten, da weniger HPC-Kapazitäten notwendig sind. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von höherer räumlicher Auflösung, besserer Nutzbarkeit für konkrete Standorte und einer leichteren Integration in bestehende Risiko- und Planungssysteme.


Was ist der Unterschied zwischen Earth‑2 und konkurrierenden KI-Wetterlösungen wie Googles GenCast?

Earth‑2 positioniert sich als vollständig offener, beschleunigter Software-Stack mit Zugang über Earth2Studio, Hugging Face und GitHub. Erste Benchmarks deuten darauf hin, dass Earth‑2 Medium Range in vielen Variablen bessere Prognosegüte als Googles GenCast erreicht, während gleichzeitig ein breites Ökosystem aus Partnern in Energie, Versicherungen und öffentlichem Sektor aufgebaut wird.


Welche geschäftlichen Auswirkungen haben Earth‑2-Prognosen für Risiko- und Asset-Management?

Durch Kilometer- und Sub-Kilometer-Auflösung können Risiken wie Starkregen, Windböen, Hitzewellen oder Überflutungen deutlich präziser auf Anlagen-, Stadtviertel- oder Lieferkettenebene modelliert werden. Das verbessert Entscheidungen zu Standortwahl, Absicherung, Portfoliosteuerung, Handelsstrategien und Notfallplanung messbar.


Welche Risiken und Governance-Herausforderungen entstehen beim Einsatz von Earth‑2?

Zu den zentralen Risiken zählen Plattform-Lock-in in den Nvidia-Stack, begrenzte Transparenz über Trainingsdaten sowie Schwierigkeiten bei Versionierung und Reproduzierbarkeit von Analysen. Unternehmen müssen daher Modellvalidierung, Dokumentation, Audit-Trails und klare Verantwortlichkeiten im Modellrisiko-Management etablieren, insbesondere in regulierten Branchen.


Was sollten Unternehmen jetzt konkret tun, um Earth‑2 sinnvoll zu nutzen?

Unternehmen sollten Earth‑2 zunächst strategisch im bestehenden Daten- und KI-Portfolio einordnen und gezielte Pilotprojekte mit klaren KPIs starten, etwa für Erzeugungsprognosen, Extremwetter-Risiken oder Lieferkettenrobustheit. Parallel sind technische Integration, Cloud-Strategie, Governance-Regeln und der Aufbau interner Kompetenzen in Data Science und Meteorologie entscheidend.